Künstliche Neuronale Netze

Künstliche Neuronale Netze sind Rechenmodelle, die von der Struktur und Funktion biologischer neuronaler Netze inspiriert sind. Sie bestehen aus miteinander verbundenen Knoten (Neuronen), die in Schic...

Künstliche Neuronale Netze sind Rechenmodelle, deren Aufbau lose vom menschlichen Gehirn inspiriert ist. Sie bestehen aus vielen kleinen Recheneinheiten, sogenannten künstlichen Neuronen, die in Schichten angeordnet und über gewichtete Verbindungen miteinander gekoppelt sind. Durch das Anpassen dieser Gewichte während des Trainings lernt das Netz, aus Eingabedaten wie Bildern, Texten oder Messwerten passende Ausgaben zu erzeugen – etwa eine Klassifikation, eine Vorhersage oder eine Empfehlung.

Ein typisches Netz besitzt eine Eingabeschicht, eine oder mehrere verborgene Schichten und eine Ausgabeschicht. Beim Training werden dem Netz viele Beispiele gezeigt, und ein Verfahren namens Backpropagation passt die Gewichte so an, dass der Fehler zwischen Vorhersage und tatsächlichem Ergebnis schrittweise sinkt. Hat ein Netz besonders viele Schichten, spricht man von Deep Learning. Je nach Aufgabe gibt es unterschiedliche Architekturen: Faltungsnetze (CNN) für Bilder, rekurrente Netze (RNN) für Zeitreihen oder Transformer für Sprache. Letztere bilden heute die Grundlage moderner Sprachmodelle wie ChatGPT oder Claude.

Für kleine und mittlere Unternehmen sind künstliche neuronale Netze meist nicht direkt sichtbar, aber in vielen Werkzeugen bereits enthalten. Sie stecken in Spracherkennung für Diktate, in der automatischen Texterkennung bei eingescannten Rechnungen, in Übersetzungsdiensten wie DeepL, in Bildanalysen für Qualitätskontrolle in der Fertigung oder in Prognosen für Lagerbestände und Umsatz. Wer eine moderne Buchhaltungssoftware, einen Chatbot auf der Webseite oder eine intelligente Suche im eigenen Dokumentenarchiv einsetzt, nutzt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein neuronales Netz. Die wichtigste praktische Erkenntnis: Mittelständler müssen solche Netze in der Regel nicht selbst entwickeln, sondern können auf fertige Dienste und Modelle zurückgreifen.

Die Stärke neuronaler Netze liegt in der Erkennung komplexer Muster, die sich mit klassischen Regeln kaum beschreiben lassen. Ihre Grenzen zeigen sich beim Bedarf an Trainingsdaten, beim Energieverbrauch und in der oft schwer nachvollziehbaren Entscheidungslogik – ein Thema, das unter dem Stichwort Erklärbare KI behandelt wird.

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