Ein neuer Bericht des amerikanischen Screening-Unternehmens GCheck zeichnet ein beunruhigendes Bild des aktuellen Arbeitsmarkts: 63 Prozent der Beschäftigten geben zu, ihre KI-Kenntnisse zu übertreiben oder schlichtweg zu erfinden. Der Automation Anxiety Report 2026, der auf einer Befragung von 1.500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern basiert, zeigt, wie stark der Druck durch Automatisierung die Selbstdarstellung im Berufsleben verzerrt.
Angst vor Automatisierung treibt eine Welle der Übertreibung
Der Ausgangspunkt der Studie ist eindeutig: 69 Prozent der Befragten glauben, dass Teile ihrer aktuellen Arbeitsaufgaben innerhalb der nächsten 24 Monate durch KI automatisiert werden. Bei der Generation Z liegt dieser Wert sogar bei 79 Prozent. Diese Befürchtungen sind dabei nicht rein abstrakt. Bereits 40 Prozent der Befragten haben beobachtet, dass KI-Tools Teile ihrer Arbeit übernehmen, und 29 Prozent berichten, dass KI in ihrem Arbeitsumfeld bereits konkrete Aufgaben ersetzt hat.
Gleichzeitig fühlen sich nur 38 Prozent der Beschäftigten gut oder sehr gut darauf vorbereitet, KI-Werkzeuge effektiv einzusetzen. 40 Prozent sagen, sie bräuchten zunächst eine Schulung, und 22 Prozent geben an, sie würden Schwierigkeiten haben oder KI-Tools überhaupt nicht effektiv nutzen können. Aus diesem Spannungsfeld zwischen empfundener Bedrohung und tatsächlicher Kompetenz entsteht laut GCheck das, was der Bericht als "AI Skills Bubble" bezeichnet.
Die KI-Fähigkeiten-Blase: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
GCheck beschreibt mit dem Begriff "AI Skills Bubble" die wachsende Lücke zwischen dem, was Beschäftigte über ihre KI-Kenntnisse behaupten, und dem, was sie tatsächlich leisten können. 47 Prozent der US-Beschäftigten listen KI-Fähigkeiten öffentlich auf, räumen privat aber ein, dass zumindest ein Teil davon ihre tatsächlichen Fähigkeiten übersteigt. Nur 34 Prozent sagen, dass sie alle KI-bezogenen Fähigkeiten, die sie angeben, auch wirklich auf professionellem Niveau beherrschen.
Besonders auffällig ist der Generationsunterschied: Während bereits 63 Prozent aller Befragten zugeben, ihre KI-Skills zu übertreiben, liegt dieser Wert bei der Generation Z bei 80 Prozent. Die Übertreibung beschränkt sich dabei nicht auf Lebensläufe. Im Arbeitsalltag sieht das Bild laut Bericht folgendermaßen aus:
- 40 Prozent äußern sich in Meetings selbstsicher über KI-Themen, um nicht rückständig zu wirken
- 33 Prozent lassen andere in dem Glauben, sie hätten stärkere KI-Kenntnisse, ohne zu korrigieren
- 25 Prozent haben KI-unterstützte Arbeitsergebnisse als vollständig eigenständige Leistung ausgegeben
- 18 Prozent haben sich freiwillig für KI-bezogene Aufgaben gemeldet, für die sie nicht qualifiziert waren
- 16 Prozent geben zu, direkt gelogen zu haben, KI-Erfahrung zu besitzen
Die Motive hinter der Selbstüberschätzung
Der Bericht liefert auch konkrete Zahlen dazu, warum Beschäftigte ihre KI-Fähigkeiten aufbauschen. 76 Prozent begründen dies damit, dass sie vorhaben, diese Fähigkeiten ohnehin noch aufzubauen, also die Lücke später zu schließen. 70 Prozent glauben, dass auch die meisten anderen in ihrer Branche ihre KI-Kenntnisse übertreiben, und betrachten das eigene Verhalten damit als branchenübliche Praxis. 57 Prozent geben den Druck an, KI-kompetent wirken zu müssen, und 53 Prozent fürchten, ohne diese Kenntnisse ihren Job zu verlieren und keine neue Stelle mehr zu finden. 52 Prozent sorgen sich, bei Entlassungen schlechter dazustehen, und 46 Prozent haben Angst, gefeuert zu werden, wenn sie keine KI-Kenntnisse nachweisen können.
"Arbeitnehmer stehen unter einer neuen Art von Karrieredruck, bei dem KI-Kompetenz zunehmend mit Beschäftigungsfähigkeit und Arbeitsplatzsicherheit verknüpft wird", erklärte Houman Akhavan, Gründer und CEO von GCheck, in der Pressemitteilung zum Bericht. "Das Problem liegt nicht allein darin, dass Beschäftigte ihre KI-Fähigkeiten übertreiben. Arbeitgeber verfügen oft über keine zuverlässigen Methoden, diese Kompetenzen zu überprüfen, was eine wachsende Lücke zwischen wahrgenommener und tatsächlicher Expertise schafft. Diese Diskrepanz erzeugt Risiken für Unternehmen und Unsicherheit für Beschäftigte."
Das Verifikationsvakuum auf Arbeitgeberseite
Während die Beschäftigten übertreiben, fehlt auf Unternehmensseite offenbar die Kapazität oder der Wille zur Überprüfung. 64 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Arbeitgeber niemals versucht hat, ihre KI-Kenntnisse zu verifizieren. Nur 39 Prozent glauben, dass Arbeitgeber dies überhaupt effektiv tun könnten. Dieses "Verification Vacuum" laut GCheck-Terminologie schafft ein Umfeld, in dem Fehlinformationen über Kompetenzen nahezu folgenlos bleiben.
Gleichzeitig erkennen die Beschäftigten selbst das damit verbundene Risiko: 76 Prozent stimmen zu, dass das Falschdarstellen von KI-bezogenen Fähigkeiten Unternehmen gefährdet. Das Bewusstsein für die Problematik ist also vorhanden, während die Praxis dennoch weit verbreitet bleibt.
Beschäftigte fordern stärkere Überprüfungsmechanismen
Ein bemerkenswertes Ergebnis des Berichts: Die Beschäftigten selbst wünschen sich mehr Transparenz und klarere Verifikationsprozesse. Fast die Hälfte (48 Prozent) möchte, dass KI-Kompetenzen aktiv getestet werden. 47 Prozent wollen transparente Erklärungen darüber, wie KI im Einstellungsprozess eingesetzt wird. 46 Prozent sprechen sich für klare Kommunikation darüber aus, was konkret überprüft wird, und 42 Prozent wünschen sich einheitliche Standards für alle Bewerberinnen und Bewerber. Besonders aufschlussreich ist, dass 29 Prozent angeben, sie wären ehrlicher über ihre tatsächlichen Qualifikationen, wenn Arbeitgeber klar kommunizierten, was unabhängig verifiziert werde.
Diese Zahlen deuten darauf hin, dass transparentere und systematischere Überprüfungsprozesse nicht nur das Risiko für Unternehmen senken könnten. Sie würden nach den Ergebnissen des Berichts auch direkt dazu beitragen, das Ausmaß der Fehlinformationen zu reduzieren. Der vollständige Automation Anxiety Report 2026 ist auf der Website von GCheck abrufbar.
Hintergrund: GCheck und die Methodik
GCheck bezeichnet sich selbst als moderne, Compliance-orientierte Screening-Plattform für den gesamten Beschäftigungslebenszyklus. Das Unternehmen bietet unter anderem Hintergrundüberprüfungen, Identitätsverifizierung, Drogentests, Beschäftigungs- und Berufsverifizierungen sowie kontinuierliches Monitoring an. Der Automation Anxiety Report 2026 basiert auf einer Befragung von 1.500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in den USA und wurde am 19. Mai 2026 veröffentlicht. GCheck hatte bereits im März 2026 einen verwandten Bericht veröffentlicht, der feststellte, dass 93 Prozent der Stellensuchenden während des Einstellungsprozesses schummeln oder lügen, um qualifizierter zu erscheinen.
Quellen:
63% of Workers Admit to Exaggerating AI Skills as Automation Anxiety Fuels an AI Skills Bubble, New GCheck Report Finds
The Automation Anxiety Report™ 2026 (GCheck)



