Laut einer aktuellen Gartner-Analyse werden bis 2028 über die Hälfte aller Unternehmen ihre Ausgaben für assistive KI wie Copilots und smarte Berater einstellen. Stattdessen investieren sie in Plattformen, die konkrete Ergebnisse in Arbeitsabläufen liefern. Für Selbstständige und KMU ist das eine wichtige Weichenstellung.
Was ist "assistive KI" und warum reicht sie nicht mehr?
Assistive KI umfasst alle Tools, die dich bei der Arbeit unterstützen, aber nicht selbstständig handeln. Der klassische Copilot in Microsoft 365 ist ein gutes Beispiel: Er schlägt dir Texte vor, fasst E-Mails zusammen oder erstellt Entwürfe. Aber du musst jeden Schritt selbst anstoßen, prüfen und freigeben.
Das Problem: Diese Art von KI spart zwar Zeit bei einzelnen Aufgaben, verändert aber keine Abläufe. Du sitzt weiterhin im Zentrum jedes Prozesses. Bei steigender Komplexität wird genau das zum Flaschenhals.
Ergebnisorientierte KI: Was Gartner damit meint
Im neuen Modell, das Gartner beschreibt, verschiebt sich die Rolle grundlegend. Menschen erledigen Arbeit nicht mehr mit Software, sondern überwachen intelligente Systeme, die in ihrem Auftrag handeln. Der entscheidende Unterschied liegt nicht darin, ob ein Tool KI enthält, sondern ob die KI eigenständig Aktionen in Unternehmenssystemen auslösen darf.
Alastair Woolcock, VP Analyst bei Gartner, formuliert es so: Ausführungsautorität ist kein Produktfeature. Es ist eine architektonische Position, die Identität, Berechtigungen, Richtlinien, Zugriff auf zentrale Systeme und Nachvollziehbarkeit umfasst.
Konkret heißt das: Statt dir einen Entwurf zu zeigen und auf dein OK zu warten, bearbeitet die KI einen kompletten Workflow eigenständig. Sie erstellt die Rechnung, prüft die Compliance, holt die Freigabe beim richtigen Ansprechpartner ein und bucht den Betrag. Du überwachst das Ergebnis, nicht jeden einzelnen Schritt.
Die Rolle des "Agent Steward"
Gartner beschreibt eine neue Rolle, die in Unternehmen entstehen wird: den Agent Steward. Menschen verschwinden nicht aus dem Prozess, ihre Aufgabe verändert sich aber fundamental. Statt Sachbearbeitung zu leisten, überwachst du als Agent Steward die Ergebnisse der KI-Systeme, definierst Richtlinien und greifst ein, wenn etwas schiefläuft.
Das betrifft besonders genehmigungs- und zeitkritische Abläufe. Gartner sieht hier die erste Disruption: Überall dort, wo Entscheidungen heute durch Freigabeschleifen verzögert werden, kann KI diese Latenz eliminieren, indem sie innerhalb definierter Regeln selbstständig handelt.
Was bedeutet das für dein Unternehmen?
Auch als Selbstständiger oder im KMU spürst du diesen Wandel. Die Frage ist nicht mehr "Nutze ich KI?", sondern "Wie tief ist KI in meine Abläufe integriert?"
- E-Mail und Kundenkommunikation: Statt einzelne Antworten mit KI formulieren zu lassen, beantwortet ein KI-Agent wiederkehrende Anfragen komplett selbstständig nach deinen Vorgaben.
- Buchhaltung und Rechnungsstellung: KI erstellt nicht nur den Entwurf, sondern verarbeitet den gesamten Workflow von der Leistungserfassung bis zur Mahnung.
- Content-Erstellung: Statt einen Blogpost zu diktieren, generiert ein KI-Workflow aus einem Briefing den fertigen Artikel, die Social-Media-Posts und die Newsletter-Variante.
- Personalsuche: KI sichtet nicht nur Bewerbungen, sondern koordiniert den kompletten Prozess von der Stellenanzeige bis zur Einladung zum Vorstellungsgespräch.
Gartner warnt auch die Softwareanbieter selbst: Bis 2030 droht Unternehmen, die KI nur als Zusatzfunktion auf bestehende Software aufsetzen, anstatt ihre Produkte für agentenbasierte Ausführung umzubauen, ein Margeneinbruch von bis zu 80 %.
Gut zu wissen: ConRat AI verknüpft bereits heute mehrere KI-Modelle in einer Oberfläche und ermöglicht mit der Workflow-Funktion das Verketten mehrerer Prompts über verschiedene Tools hinweg. So kannst du aus einem einzigen Briefing automatisch Texte, Bilder und Recherchen erzeugen lassen. DSGVO-konform über deutsche Server.
Unser Fazit
Die Gartner-Prognose bestätigt eine Entwicklung, die sich seit Monaten abzeichnet. Copilots waren der Einstieg, aber die Zukunft gehört KI-Systemen, die ganze Arbeitsabläufe eigenständig abschließen. Für KMU bedeutet das: Wer heute anfängt, KI nicht nur als Texthelfer, sondern als echten Workflow-Baustein zu verstehen, verschafft sich einen Vorsprung. Die Rolle des Menschen bleibt wichtig, sie verlagert sich nur von der Ausführung zur Steuerung.
Quellen:
- Gartner: Enterprises to Abandon Assistive AI for Outcome-Focused Workflow by 2028
- DQ India: Gartner Sees Shift From Copilots to Outcome-Driven AI by 2028
- SME Street: Gartner Report: AI Platforms To Replace Assistive Tools By 2028